Jules Verne - 20.000 Füller

Durch einen Impuls, ausgelöst durch die Unzufriedenheit von fertigen Füllern von der Stange, beschloss ich mal einen eigenen Füller zu bauen. Man sollte hier vielleicht modifizieren sagen. Das komplette Bauen eines Füllers kommt noch ;). Doch viel blieb von diesem Schreibgerät nicht mehr original.

Das Thema sollte Jules Verne werden. Genauer 20.000 Meilen unter dem Meer. Dabei schossen mir sofort die Ideen durch den Kopf. Wellen sollten es sein, und tiefe Gräben unter dem Meer. Natürlich musste auch noch ein Effekt rein, denn der Mitbegründer des Sci-Fi-Genres beschrieb die Nautilus ungeheuerlich und futuristisch. Die Kappenspitze und die Griffeinheit wurde mit Chrom-Spray und Klarlack behandelt, beides von "Belton", was sich als Glücksgriff erwies. Wie die metallischen Hebel und Applikationen der Nautilus bilden sie einen Kontrast zu dem tiefblauen Meer, welches durch den blauen transparenten Lack von Dupli-Color auf dem ursprünglich relativ hellen Grundkörper, sich als gespenstisch "tief" erweist.

Der Körper des Füllers und der Kappe wurden aber zunächst mit einem Gemisch aus Acryl-Klarlack und Strontium Aluminate bestrichen in Form einer rauen Linie, die sowohl die Gräben als auch die Wellen formen. Strontium Aluminate ist, trotz des für Laien furchteinflößenden Namens, weder radioaktiv noch giftig. Dadurch leuchtet der Lack blau im Dunkeln. Damit auch bei Tag etwas von den Gräben zu sehen ist, habe ich ein wenig Chromlack oberhalb aufgetragen. Die Wellen und Gräben verdichten sich zum Ende des Zylinders um ganz hinten fast ohne blauen Lack hervorzublitzen, was im Dunkeln einen schauderhaften Effekt bringt, das jeden Seemann in der Vergangenheit in den Wahnsinn getrieben hätte, wäre so ein Leuchten tief im Meer zu sehen gewesen. Die Struktur sei auch erwähnt. Man kann das bewusst fühlen, die Wellen auf dem Wasser, die wilde Gischt am Ende. Die Initialen JV habe ich auf das Band eingraviert und mit schwarzen Acryl-Lack aufgefüllt. Ein neuer Rhodium-Clip verlieh dem ganzen den letzten Schliff. Insgesamt wurden also der Leuchtlack, der Chromlack, 2 Schichten blauer transparenter Lack und 2 Schichten Klarlack verwendet, sowie der schwarze Acryl-Lack.

Natürlich darf auch die Feder auf keinen Fall hinter der ungewöhlichen Erscheinung zu kurz kommen. Hier entschied ich mich für eine Bock-Feder in der Stärke "B". Diese habe ich ebenfalls mit blauem transparenten Lack besprüht. Natürlich musste ich dafür Vorkehrungen treffen, damit die Feder nicht verklebte. Zwischen den Federseiten schob ich einen sehr dünnen Plastikstreifen durch, und die Spitze deckte ich mit Heißkleber ab. Das Ergebnis ist zwar nicht optimal, aber dennoch eine schöne Bereicherung zu dem blauen "Meeresfüller".

Anschließend kam das Füllsystem dran. Ein einfacher Drehkonverter durfte es in so einem Füller nicht sein. Wenigstens einen Druck-Konverter, der zurückschnellt wenn man loslässt habe ich gebaut. Japp, aus verschiedenen Konvertern, damit er auch passt. Puh. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich hier nochmal den Konverter gegen einen aerometrischen Füllmechanismus austausche, den ich für noch passender halte. Dann der große Moment. Füller reinigen, zusammensetzen, Feder etwas polieren und ein ganz klein wenig glätten. Und er schriebt perfekt wie ich es mir wünsche. Der Jinhao-Feed lässt nie zu wenig Tinte an die Feder, und dennoch dicht, kein Auslaufen aber sattes, butterweiches Schreiben. Yay.

Materialkosten waren ca.62 Euro und 3 Tage Arbeit. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser Füller für mich besser ist als der 239 Euro Pilot Capless 18k750. Nur der indische custom made "Timelord 11" von Lotus Pens ist auf der gleichen Stufe was das Schreiben angeht. Ja, der Pilot mag besser verarbeitet sein, aber so gut schreiben tut er mit Abstand nicht. Und ja, durch das Thema Jules Verne, dass in jedem Schritt genau bedacht wurde und die Handarbeit, ist es natürlich auch ein Unikat.

Video mit Schreibprobe: